1. Einleitung

Seit 1995 werden Inhaber einer eMail-Adresse oder gar eine Web-Site nicht mehr als „außerirdisch" betrachtet. Mittlerweile wird nicht nur nach Telefon- und Fax-Nummer gefragt, wenn es um Kontaktdaten geht: Die URL der Firmen- oder der Privat-Web-Site und die Bekanntgabe von eMail-Accounts bzw. der Hinweis auf Community-Sites wird wie selbstverständlich erwartet.

2. 2020: Das digitale Massensterben beginnt

Wenn anschließend jedoch der „Ange-Mailte", „Ange-Simste" oder „Ange-Twitterte" sich nicht mehr meldet, muss das nicht immer an einem „Datenloch" liegen. Die Erklärung kann ganz simpel heißen: Der Betreffende ist einfach tot! Verwaiste Web-Sites und Community-Accounts werden zukünftig zunehmen. Die meisten der ersten „Bewohner", die 1995 nach Digitalien zogen und eine Web-Site online geschaltet haben, waren damals ca. zwanzig bis fünfzig Jahre alt. So wie die Zahl der sogenannten „Digital Natives" zunimmt, so nimmt auch die Zahl der „Digital Deads" zu. Spätestens in zehn Jahren wird das Massensterben auch in Digitalien einsetzen.

Die Netzgemeinde beschäftigt sich daher auch mit der Frage: Was geschieht mit den digitalen Inhalten Verstorbener? Denn nicht immer sind das ja nur Belanglosigkeiten. Gehostet werden auch urheberrechtlich geschützte Werke wie z.B. Erzählungen, Musikstücke, Filme oder auch Fotos.

3. Rechtlicher Schutz von Daten

So hat etwa auch vormals ein Fotograf die Digitalfotographie für sich entdeckt. Voller Begeisterung speicherte er fast zehntausend - künstlerisch wertvolle - Fotos auf dem Server eines Provider. Leider nur da, es gab keine Sicherungskopie oder anderweitigen Vervielfältigungen. Als der Künstler verstarb, stiegen zwar die Preise für seine Werke. Seine Witwe konnte sich zunächst darüber überhaupt nicht freuen.

Nach längeren Erbstreitigkeiten war für sie zwar einen Erbschein als Alleinerbin ausgestellt worden. Damit war sie urheberrechtlich als Erbin auch befugt, die Daten herauszuverlangen. Gemäß § 28 Abs. 1 UrhG ist das Urheberrecht vererblich und § 30 UrhG bestimmt, dass dem Rechtsnachfolger des Urhebers (= Erbe) dieselben gesetzlichen Rechte zustehen wie dem Urheber, also sowohl die Verwertungsrechte wie auch das Urheberpersönlichkeitsrecht. So kann der Erbe daher z.B. bislang unveröffentlichte Werke veröffentlichen, das Pseudonym des Urhebers aufdecken oder das Werk anonymisieren; er kann das Werk ändern, bearbeiten, ja sogar verstümmeln und entstellen. Der Erbe tritt nach dem Tod des Urhebers also in die volle Rechtstellung des Urhebers wie diese zu dessen Lebzeiten bereits war. - Erbrechtlich hat der Erben daneben auch das Recht auf Herausgabe von Zugangsdaten.

4. Technischer Zugang zu Daten

An die Daten der Fotos kam die Erbin in unserem Fall dennoch zunächst nicht heran. Diese waren zwischenzeitlich offline geschaltet worden. Denn für die Hosting-Zahlung bestand kein Dauerauftrag und die mehrmaligen Zahlungsaufforderungen hatte die Witwe nicht lesen können, denn ihr war weder das Passwort für den eMail- noch für den Web-Account bekannt. Solange sie ihre Erbenstellung nicht per Erbschein nachweisen konnte, hat der Provider daher weder die entsprechenden Zugangsdaten noch die Daten der Fotos herausgegeben.

Es kam noch schlimmer: Auch die genaue Adresse des im Ausland sitzenden Providers war der Witwe unbekannt. Diese konnte zwar nach längerer Zeit ausfindig gemacht werden. Doch der Provider lehnte die Herausgabe bzw. den Zugang zu den Daten weiterhin ab.

Die Geschichte nahm dennoch ein glückliches Ende, jedoch erst nachdem mit anwaltlicher Hilfe der Erbschein übersetzt und dem Provider zugestellt worden war, die noch ausstehenden Hosting-Kosten bezahlt und ein neuer Account mit entsprechendem Zugang für die Witwe eingerichtet worden war. Seit dem Tod des Fotographen waren allerdings mittlerweile drei Jahre vergangen.

5. Fazit

Rechtlicher Schutz und technische Verfügbarkeit von Daten können im realen wie auch im virtuellen Leben manchmal auseinander laufen. Wahre Vorsorge trifft daher derjenige, der sowohl seine rechtlichen Angelegenheiten für den Todesfall regelt, wie auch dafür sorgt, dass der Zugang zum rechtlich gewollten Ergebnis dem Erben auch technisch ermöglicht wird.

 

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