8. Vertrauensbeweis und Vertrauensverlust

Ob das Vertrauen tragfähig ist und bleibt, beweist sich im Laufe der Zeit dadurch, dass Regelungen, Absprachen, Verabredungen nicht nur einmal, sondern viele Male eingehalten werden. Zeigt sich der jeweils andere (ja sowohl der Anwalt wie auch der Mandant müssen den "Beweis antreten") verläßlich und "verläßt mich nicht", kann ich weiteres Vertrauen aufbauen. Doch so oft auch der Vertrauensbeweis erbracht wird, schon ein kleiner "Lapsus" kann das Vertrauen "anknacksen" oder gar ganz verlieren lassen.

Meist kommt es schneller zum totalen Vertrauensverlust, wenn einer der Beteiligten vormals zu vertrauensselig gewesen ist. Wenn keine neuen Aspekte, keine Abweichung vom zuvor Geglaubten oder Für-wahr-Gehaltenen für möglich gehalten werden, Überraschungen nicht sein dürfen, also auch nicht sein können - und wenn doch? Eben, dann ist´s ganz schnell vorbei mit dem Vertrauen!

9. "Gesundes" Misstrauen

- Misstrauen als Basis von Vertrauen

Daher hat auch eine Portion Misstrauen in einer funktionierenden Vertrauensbeziehung ihre Berechtigung. Nicht in der Form des immer und überall pessimistischen "Das-kann-gar-nicht-Gut-gehens", sondern vielmehr im wachen Bewußtsein, dass Umstände sich ändern, Menschen sich irren können oder einfach mal einen schlechten Tag erwischt haben.

- Das Trau(m)-Team: Vertrauen und Misstrauen

Das "rechte Maß" ist auch hier erforderlich: Misstrauen im Untermaß ist leichtsinnig*, Misstrauen im Übermaß torpediert die gesamte Beziehung, entzieht ihr den Boden. Ein Gespür für das "rechte Maß" an Vertrauen und Misstrauen in der jeweiligen Situation und gegenüber dem jeweiligen Anderen entwickelt sich erst nach einem längeren Miteinander von Mandant und Anwalt. Hilfreich ist auch eine gewisse Zurückhaltung bezüglich des Erwartungsumfangs; Vertrauen kann nicht nur von demjenigen enttäuscht werden, dem vertraut wird. Nein, auch derjenige, der vertraut, kann übermenschliche Erwartungen in dieses Vertrauen setzen. Maßhalten fängt also bereits beim Vertrauen gewähren, beim Vertrauen schenken an.

Beide, Mandant und Anwalt, müssen also ein "waches Auge" haben. Und wenn dennoch Vertrauen einmal verloren gegangen ist, kann auch das in einer ansonsten von Vertrauen geprägten Mandant - Anwaltbeziehung wiedererlangt werden. Dies fällt umso leichter, wenn beide, Vertrauen und Misstrauen, von Anfang an ein sich gegenseitig stützendes Team bilden.

10. Seien Sie ein "Fragezeichen-Mensch"

Stellen Sie nicht alles gleich vollkommen in-Frage, aber stellen Sie Fragen. Nehmen Sie nicht alles gleich als unumstößlich hin, seien Sie also kein Ausrufzeichen-Mensch (= "Das ist so und nicht anders!"). Erwarten Sie als Mandant diese fragende Haltung im Bezug auf das Leben auch von mir als Ihren Anwalt. Dann sind wir beide, Sie und ich, schon ein gutes Stück auf dem Weg zu einer von Vertrauen geprägten Mandant - Anwaltbeziehung, in der ich Ihnen ein guter Berater sein kann.

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* Der Artikel beruht auf den von Wilhelm Schmid, Die Liebe neu erfinden, 2010 S. 129 ff. geäußerten Gedanken.

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