Urheberrecht im Film
Zu den Urheber- und Leistungsschutzrechten der Film(-mit)schaffenden

1. Teil
Autor: Rechtsanwalt Dr. Rutger von der Horst Köln, Münster, Los Angeles

Inhalt

Teil 1
1. Was ist das Urheberrecht?
2. Urheberrecht
3. Leistungsschutzrecht
4. Was ist urheberrechtlich ein Film(-werk)?
5. Film
6. Filmträger
7. Filmwerk
8. Laufbilder
9. Verfilmung
10. Filmhersteller
11. Was ist urheberrechtlich geschützt?
12. Wer ist Urheber des Filmwerks?
13. Der Regisseur als "alleiniges Genie"...?
14....oder Teamwork vieler Mitschaffender?
15. Miturheberschaft der Mitschaffenden?

1. Was ist das Urheberrecht?

Das deutsche Urheberrecht unterscheidet Urheberrechte und Leistungsschutzrechte.

2. Urheberrecht

Das Urheberrecht ist - nach kontinentaleuropäischer Vorstellung - ein unveräußerliches (als solches nur vererbbares) Menschenrecht, das demjenigen zukommt, der eine geistige Schöpfung tätigt. Der Urheber soll durch das Urheberrecht möglichst umfassende (ideelle und wirtschaftliche) Kontrolle über seine Schöpfung erhalten. Übertragen (lizenziert) werden können die Verwertungsrecht am Urheberrecht.

3. Leistungsschutzrecht

Daneben kennt das (deutsche) Urheberrechtsgesetz noch das Leistungsschutzrecht der ausübenden Künstler und der (z.B. Film-)Hersteller. Ihnen wird für ihre kreative und wirtschaftliche Leistung (Investition) ein gegenüber dem Urheberrecht etwas abgeschwächtes Schutzrecht gewährt. Dieses wirtschaftlich verwertbare Leistungsschutzrecht kann vollständig übertragen werden.

4. Was ist urheberrechtlich ein Film(-werk)?

Begrifflich sind zu unterscheiden:
- Film
- Filmträger

5. Film

Film ist jede auf einem Filmträger festgehaltene Bildfolge oder Bild- und Tonfolge, die den Eindruck eines bewegten Bildes entstehen läßt.

6. Filmträger

Filmträger (Filmstreifen) ist jeder Bildträger, Bild- und Tonträger, auf dem der Film - falls er überhaupt aufgezeichnet wurde - festgehalten ist. Auf das Aufnahme- und Herstellungsverfahren kommt es dabei nicht an. Auch der mit Hilfe einer Videokamera nebst Magnet- oder Digitalspeicher (z.B. CD-ROM, Computerfestspeicher) aufgezeichnete Videofilm oder mittels Computersoftware erzeugter Tricktechnik und ein per Computersimulation erzeugtes Produkt wie auch der mit herkömmlichen Mitteln manuell erstellte Zeichentrick- oder Animationsfilm und der Stummfilm sind jeweils Film im urheberrechtlichem Sinn. Einzelbilder, z.B. beim Zeichentrickfilm, sind nicht als Film, wohl aber als Lichtbildwerk schutzfähig. Ebenso fallen die Tonbildschauen nicht unter den Begriff Film, weil sie nicht den Eindruck eines bewegten Bildes erwecken.

Urheberrechtlich zu unterscheiden sind das Filmwerk und die (sprachlich wenig geglückt) Laufbilder.

7. Filmwerk

Das Filmwerk ist ein künstlerisches Werk eigener Art, bei dem die zu seiner Herstellung benutzten (vorbestehenden) Werke (z.B. Roman) und die Leistungen der ausübenden Künstler zu einer Einheit als "Gesamtkunst-Werk" verschmilzt. Es enthält in der Regel Sprachwerke (Exposé, Treatment, Drehbuch, gesprochener Dialog), Werke der Musik (Filmmusik), der bildenden Künste einschließlich der Werke der Baukunst (Bauten, Kulissen), Lichtbildwerke (Fotographien, Bildstreifen) und die Leistungen der ausübenden Künstler (z.B. Darsteller, Filmmusiker).

8. Laufbild

Als Laufbilder wird der einfache Film ohne Werkqualität bezeichnet, an dem der Filmhersteller ein Leistungsschutzrecht erhält.

Beispiele für Laufbilder: einfache Aufzeichnung und Fernseh-Live-Übertragungen von Darbietungen ausübender Künstler (Aufführungen von Opern oder Bühnenstücken, Soloauftritten einzelner Sänger, Tänzer und Musiker; anders jedoch die speziell für die Fernsehausstrahlung gestaltete Verfilmung von Bühnenstücken z.B. Aufführungen der Augsburger Puppenkiste für den HR oder der gestaltete Musikvideoclip). Weitere Beispiele für Laufbilder: Tages- und Wochenschauen, filmische Darstellung von Naturereignissen ohne gestalterische Zutat, also unter Wiedergabe der am Ort tatsächlichen Geräuschkulisse, die üblichen Amateururlaubs- und Familienfilme.

Videospiele sowie Sex- und Pornofilme werden ebenfalls zumeist als Laufbilder eingestuft. Die hierzu ergangenen Gerichtsentscheidungen hatten allerdings nur Videospiele in der Art von PacMan und Low-Budget Pornos zu beurteilen, bei der weder aufwendige Beleuchtung noch die Verwendung von mehreren Kameras verwendet wurden.

Aufwendig produzierte Video- und Pornofilme, deren Budget das Budget eines Autorenfilms um das Vielfache übersteigen, können aber sehr wohl urheberrechtlich Filmwerkqualität aufweisen. Die gestaltete Bildschirmoberfläche eines Computerspiels wird häufig aber auch schon als Computer-Sprachwerk geschützt sein.

9. Verfilmung

Verfilmung ist die Benutzung eines (vorbestehenden) Werkes zur Herstellung eines Filmwerkes oder Laufbildes.

10. Filmhersteller

Filmhersteller ist, wer die die Erstfixierung des Films auf Bild- oder Bild- und Tonträger vornimmt, wer also die Entscheidung darüber trifft, in welcher Fassung der Film letztlich veröffentlicht werden soll.

- Bei der Veröffentlichung von mehreren Fassungen (z.B. für Filmtheater, DVD-, Video- und Fernsehfassung und director´s cut) wird in der Regel eine "Ur-(Original-)fixierung" vorliegen, die in zum Großteil in allen anderen Fassungen enthalten ist, so dass rechtlich nur ein Filmhersteller dieser Erstfixierung vorhanden ist, der sein Einverständnis für die Veröffentlichung der weiteren Fassungen erteilt. -

Ebenso wie beim Tonträgerhersteller, beim Sendeunternehmen oder jetzt auch beim Datenbankhersteller handelt es sich um ein unternehmensbezogenes Leistungsschutzrecht, das auch juristischen Personen (z.B. GmbH & Co KG oder AG) zustehen kann.

11. Was ist urheberrechtlich geschützt?

Geschützt ist das gesamte Filmwerk bzw. die gesamten Laufbilder wie auch Teile des Werkes. Erlaubnis- und vergütungsfrei sind allerdings in engen Grenzen Zitate, und die Vervielfältigung einzelner (3 bis 7) Vervielfältigungsstücke zum eigenen privaten oder wissenschaftlichem Gebrauch. Dabei dürfen die Vervielfältigungsstücke weder verbreitet noch öffentlich wiedergegeben werden (so ist die Projektion eines Videofilms vom heimischen Fensterbrett aus z.B. an eine gegenüberliegende Hauswand, die von jedermann einzusehen ist, nicht gestattet).

12. Wer ist Urheber des Filmwerks?

Urheber des Filmwerks ist derjenige, der bei der Herstellung eine eigene geistige Schöpfung in das Filmwerk einbringt, wer also einen eigenen schöpferischen Beitrag leistet.

13. Der Regisseur als "alleiniges Genie"...?

Allgemein wird hier an erster Stelle der Regisseur genannt. Von ihm geht der entscheidende Einfluß auf die filmische Gestaltung des Stoffes aus. Bei anderen Beteiligten kommt es darauf an, wie weit sie im einzelnen Fall eine eigene (also nicht schon vom Regisseur vorbestimmte) schöpferische Leistung erbringen. In Betracht kommen in erster Linie der/die (Chef-)Kameramann/-frau, Schnittmeister (Cutter), Darsteller, Filmarchitekten, Szenen- Masken- und Kostümbildner sowie Tonmeister.

Sie wirken im allgemeinen in schöpferischer Weise an der filmischen Gestaltung des Stoffes mit. Ihre Tätigkeit beschränkt sich nicht auf eine handwerklich-routinemäßige Leistung und ist in der Regel nicht durch Anweisungen des Regisseurs so weit vorgezeichnet, dass kein Freiraum mehr für schöpferische Leistung bestünde.

Richtig ist jedoch der Einwand, dass für jede dem Willen des Regisseurs untergeordnete Hilfstätigkeit kein Urheberrecht gewährt wird. Grundsätzlich trifft der Filmregisseur die für die künstlerische Umsetzung maßgeblichen Entscheidungen. Das wird in starkem Maße für Darsteller gelten, wenn sie vom Regisseur "streng geführt" werden, nicht hingegen, wenn sie eigene Vorstellungen hinsichtlich des Charakters und der Handlung der von ihnen dargestellten Filmfigur und/oder des filmischen Geschehens einbringen.

Auch Filmarchitekten, Szenen- Masken- und Kostümbildner wird oftmals die Urhebereigenschaft am Film verwehrt. Eingewendet wird, dass es sich bei ihren Leistungen zwar im Einzelfall durchaus um Werke der bildenden Kunst handeln könne. Diese Werke würden allerdings bereits vor Drehbeginn existieren und seien theoretisch selbständig verwertbar. Bei diesen Werken handele es sich demnach um vorbestehende (verfilmte) Werke, sie seien aber nicht Teil des Verfilmungsaktes beim Filmwerk. Gleiches habe nach herrschender Meinung für den Drehbuchautoren, den Ersteller des Filmexposé, des Treatments und der Filmmusik zu gelten.

14. ...oder Teamwork vieler Mitschaffender?

Dem muß nach vordringender Meinung aber der Charakter des Films als "Gesamtkunstwerk" entgegengehalten werden. Die sogenannte herrschende Meinung verkenne den Produktionsprozeß und die Produktionsbedingungen. So beschränkt sich die Erstellung des Films nicht nur in den Dreharbeiten. Daneben sind auch die Arbeiten der Pre- und Postproduktion mit einzubeziehen. Insbesondere gilt dies für die Einbeziehung von Spezialeffekten im Bild- und Tonbereich, in denen immer verstärkter Bild- und Sounddesigner eingesetzt werden.

Aufgrund dieser auch beim Film immer weiter fortschreitenden Spezialisierung ist der Regisseur mangels eigener Kenntnis und Vorwissen oftmals gar nicht in der Lage, eine "Vorgabe" zu machen, die dann von dem Betroffenen lediglich handwerklich ausgeführt wird. Vielmehr wird sich die Rolle des Regisseurs gerade im Bereich "künstlerisch -technischer Problemstellungen" zunehmend darauf beschränken, die vom jeweiligen Spezialisten geschaffenen Problemlösungen zu akzeptieren oder zu verwerfen.

Für die Beurteilung der Urhebereigenschaft ist daher abzustellen auf den konkreten Film. Wer schöpferisch mitwirkt an seiner spezifisch dramaturgischen, atmosphärischen, inhaltlichen und visuell-ästhetischen Wirkung, ist Urheber. Danach sind regelmäßig Filmurheber: Drehbuchautor, Regisseur, Kameramann/-frau, Beleuchter, Filmarchitekt, Filmdekorateur, Kostümbildner, Tonmeister, Cutter und Filmkomponist der eigens für den Film erstellten Musik (Was wäre Hitchcocks Duschszene in "Psycho" ohne Musik?), wobei die Ersteller des Drehbuchvorläufers (Filmexposé und Treatment) wohl entgegen der herrschenden Meinung ebenfalls in den Kreis der Urheber mit einzubeziehen sind.

15. Miturheberschaft der Mitschaffenden?

Umstritten ist, ob die o.g. Filmmitwirkenden Miturheber sind mit der Folge, dass sie ihre Rechte nur gemeinsam ausüben können und nur Leistung an alle - nicht einen entsprechenden Kopfanteil an sich selbst - verlangen können. Verneint wird dies mit dem Hinweis auf den Gesamtkunstwerkcharakter des Films, bei dem mehrere Einzelwerke zu einem Gesamtwerk verschmelzen.

Jedes Einzelwerk bleibt weiterhin getrennt voneinander verwertbar, so z.B. der Soundtrack (Merkmal für die Miturheberschaft ist hingegen die Nichtverwertbarkeit der einzelnen Anteile). Nur in der verfilmten Form, also in der "bearbeiteten" Form sind die Einzelwerke mit einander verbunden. Daher ist der Film ein Gesamtkunstwerk eigener Art, auf das die Regeln der Miturheberschaft nicht anwendbar seien.

Fortsetzung Teil 2

 


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