Die Musik, das Netz, mp3 und der Rest
Zur digitalen Rechtenutzung von Musik im Netz (Stand 2000)

Autor: Rechtsanwalt Dr. Rutger von der Horst Köln, Münster, Los Angeles

Inhalt

Teil 1
Inhalte beleben das Netz
1. Einleitung: Die Bedeutung von Musik in unserem täglichen Leben
2. Die tatsächliche Seite: Wie kommt die Musik ins Netz?
3. Die rechtliche Seite: Wer sind die Rechteinhaber und wie erfolgt im allgemeinen eine Musiklizenzierung?
3.1. Die Rechteinhaber
3.2. Die Beziehung zwischen ausübendem Künstler und Schallplattenfirma

Inhalte beleben das Netz

Es wird immer deutlicher, daß das wichtigste bei der Schaffung einer Informationsgesellschaft attraktive Inhalte sind, die die telekommunikative Infrastruktur erst mit Leben erfüllt. Einer der Inhalte, die das Netz attraktiv machen, ist Musik. Nachfolgend wird der rechtliche Rahmen, innerhalb dessen sich die digitale (online-) Nutzung von Musik bewegt, näher beleuchtet.

1. Einleitung: Die Bedeutung von Musik in unserem täglichen Leben

Welche große Bedeutung Musik für das alltägliche Leben hat, kann man daran sehen, dass Musik geradezu allgegenwärtig ist: Sei es im Radio zu hause oder im Auto, im Zug, im Flugzeug, in der Hotellobby, im Supermarkt oder an der Kinokasse bzw. im Fitness-Center, Musik ist nahezu überall verfügbar.

Auch im Multimedia-Bereich und im Internet ist Musik nicht mehr wegzudenken. Symptomatisch für diese Entwicklung ist, dass heute kaum noch ein Computer hergestellt und ausgeliefert wird, bei dem keine Lautsprecherboxen im Lieferumfang enthalten sind. Diese werden nicht nur zur reinen Sprachübertragung, sondern vor allem für die Wiedergabe von Musik genutzt und der Anteil der Musikanwendung wird zukünftig mit weiterhin verbesserter Übertragungstechnik noch beträchtlich wachsen. Die ersten Mobiltelefone, über die in mp3 gespeicherte Musikdateien aus dem Netz abgehört werden können, stehen bereits zur Verfügung.

Hinzu tritt, dass neuere Untersuchungen (wieder mal) belegen, welch starken Einfluß Musik auf das Kaufverhalten hat: Französische Chansons verleiten zum Kauf von französischem Wein, während bei deutscher Volksmusik verstärkt zu Moselwein bzw. deutschen Brauereiprodukten gegriffen wird. Aus diesem Grunde ist der Ladenfunk mit seinem speziell für Läden - vornehmlich Supermärkten - konzipiertem Musik- und Werbeprogramm als Mittel zur Steigerung des Umsatzes nicht mehr wegzudenken. Ein Umstand, den sich in Zukunft auch zunehmend die Betreiber von virtuellen Läden zur Steigerung ihres e-commerce zu Nutze machen werden.

Folgen Sie mir also und lassen Sie uns nachfolgend anschauen, wo, wie und durch wen im Internet Musiknutzungen erfolgen und wie diese Nutzungen rechtlich einzuordnen sind.

Zunächst ein Blick auf die tatsächliche Seite: Wie kommt die Musik ins Netz, d.h.: Was ist erforderlich, damit eine Musikaufnahme erst einmal online zur Verfügung steht?

2. Die tatsächliche Seite: Wie kommt die Musik ins Netz?

Ganz am Anfang wird ein Musiktitel zunächst einmal komponiert, der Text wird verfaßt, der Titel wird (im Studio) eingespielt und dabei auf einem Master in der Form, in der der Musiktitel veröffentlicht werden soll, aufgenommen, um ihn dann auf (Tonträger) CDs etc. vervielfältigen zu können. Möglicherweise geschieht letzteres auch bereits schon durch Speicherung auf einer Festplatte im PC oder MAC, wie zunehmend der Computer nicht nur lediglich Hilfsmittel und Handwerkszeug bei der Komposition ist, sondern multifunktional Musikinstrument, Produktions- und Aufnahmestudio in einem ist. Neuere Musikprogramme geben dem Kreativen hier die notwendige technische Unterstützung auch für professionelle Produktionen - und das bereits zu einem weitgehend erschwinglichem Preis.

Aber auch wenn die Musik noch "mit der Hand gemacht" wird, liegt die Musikinformation in der Regel in allen Fällen der Musikaufnahme bereits in digitaler Form vor. Nur noch im Ausnahmefall wird die analoge Musikaufnahme auf analogem Speicher (z.B. bei alten Vinyl-Aufnahme) nachträglich digitalisiert.

Als zweiter Akt erfolgt anschließend die Speicherung der Musikaufnahme auf einem Server(-computer), der online geschaltet ist, so dass der online-Abruf ermöglicht wird. Denkbar sind natürlich auch Live-Sessions, die direkt ohne Vervielfältigungs-/Speicherakt ins Netz "versendet" werden (z.B. per "live"-streaming im Internet-Radio und Web-TV).

Je nach dem, wer die Einspeisung vorgenommen hat, geschieht diese Einspeisung legal oder illegal - auf jeden Fall ist damit die Musik erst einmal im Netz und somit verfügbar.

3. Die rechtliche Seite: Wer sind die Rechteinhaber und wie erfolgt im allgemeinen eine Musiklizenzierung?

Musik ist im allgemeinen rechtlich geschützt. Sie "gehört" irgend jemandem. Schauen wir uns also zunächst an, wer diese "irgendjemand" sein können.

3.1 Die Rechteinhaber

Als Rechteinhaber zu unterscheiden sind 3 Gruppen:

Textautor und Komponist sind Urheber und erwerben mit dem Schöpfungsakt des Musiktitels Urheberrechte (Persönlichkeitsrechte und Verwertungsrechte)

Regelmäßig erfolgt die Wahrnehmung der Verwertungsrechte im Rahmen des im Wahrnehmungsvertrag geregelten Umfangs durch eine Verwertungsgesellschaft. Für die Musikurheber ist das in Deutschland die GEMA (Gesellschaft für Musikalische Aufführungs- und Mechanische Vervielfältigungsrechte)

Musiker, die Aufnahme einspielen, sind ausübende Künstler.

Derjenige, der verantwortlich die konkrete Aufnahme festlegt, also bestimmt, wie die Aufnahme letztlich veröffentlicht werden soll, ist Tonträgerhersteller.

Beide, ausübende Künstler und Tonträgerhersteller, erwerben durch ihre künstlerische und wirtschaftliche/finanzielle Investition Leistungsschutz- (Verwertungs)rechte. Die Wahrnehmung ihrer Verwertungsrechte erfolgt ebenfalls regelmäßig durch eine Verwertungsgesellschaft, in Deutschland durch die GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH)

3.2 Die Beziehung zwischen ausübendem Künstler und Schallplattenfirma

Die Beziehung zwischen dem ausübenden Künstler und "seiner" Schallplattenfirma kann vertraglich verschieden gestaltet sein. Üblicherweise unterscheidet man drei vertragliche Gestaltungen:

  • Künstlervertrag: Die künstlerische Leistung wird zur Verfügung gestellt.
  • Produzentenvertrag: Die Produktion von Aufnahmen wird vereinbart.
  • Bandübernahmevertrag: Die komplett fertiggestellte Aufnahme wird zur Verfügung gestellt und lizenziert.

Im letztgenannten Fall ist der Schallplattenhersteller dann urheberrechtlich nicht Tonträgerhersteller, sondern "lediglich" Vertrieb. Bei diesem häufigsten Fall der Vertragsgestaltung tritt oft noch hinzu, dass der ausübende Künstler zudem auch den Song komponiert und getextet hat. Rechtlich ist er also Urheber, ausübender Künstler und Tonträgerhersteller in Personalunion.

Fortsetzung Teil 2

 

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